Baufinanzierungen in 2012 – Auf welche Entwicklung muss man sich einstellen?

Nachdem die EZB den Leitzins im Jahr 2011 in zwei Schritten erhöht und danach wieder auf das Rekordtief von 1,0 Prozent abgesenkt hat, sind sich Experten über die Entwicklung von Bauzinsen uneins. Sie könnten im Jahr 2012 so niedrig bleiben wie jetzt, aber kaum noch fallen – sagen einige Insider. Vom Tiefpunkt müsse es jetzt hochgehen, meinen andere.

Rückblick: EZB-Zins und Kapitalmarktentwicklung 2011

Die EZB hatte im April und im Juli 2011 die Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozent angehoben, um die im Euroraum drohende Inflation zu bekämpfen. Infolgedessen stiegen in Deutschland zwar die Zinsen für Fest- und Tagesgeldanlagen, nicht jedoch die für Ratenkredite und erst recht nicht die Bauzinsen, obgleich das erwartet worden war. Sie sanken sogar noch leicht ab. Zinsen für Immobilienprojekte befinden sich seit Mitte des Jahres 2011 auf einem historischen Tief, eine gute Zeit für Bauherren.

Im November und im Dezember 2011 senkte die EZB kurz hintereinander die Leitzinsen wieder ab, seit dem 08.12.11 befinden sie sich wieder auf 1,0 Prozent. Die Euroschuldenkrise zwang die Zentralbanker zu diesem Schritt, der eigentlich ihrem Auftrag der Inflationsbekämpfung zuwider läuft. Da die Krise die Realwirtschaft erfasst hat und sich Europa, auch Deutschland, möglicherweise auf eine milde Rezession zubewegt, dürften die EZB Zinsen so niedrig bleiben, mithin auch die Bauzinsen. Im Bundesdurchschnitt lagen diese im September 2011 bei 2,91 Prozent, im April waren es noch 4,15 Prozent gewesen, im August dann nach verschiedenen Quellen 3,6 bis 3,9 Prozent.

EU-Währungskommissar Olli Rehn rechnet für 2012 mit einem leichten Wachstum in der Eurozone von 0,5 Prozent, in Deutschland könnten es laut Bundesregierung und Wirtschaftsweisen 0,8 bis 0,9 werden. Für die zweite Jahreshälfte 2012 wird mit einer leichten Belebung gerechnet.



Staatsanleihen und Bauzinsprognose

Da die Renditen für deutsche Staatsanleihen ebenfalls sehr niedrig sind und Bauzinsen sich an diesen orientieren, erwarten einige Experten eine geringe Schwankungsbreite auf sehr tiefem Niveau. Das Manager Magazin ermittelte für Dezember 2011 einen Prozentsatz von 3,3% bei Bauzinsen mit 10-jähriger Zinsbindungsfrist. Christian Kraus von Interhyp glaubt, dass aufgrund des EZB-Zinses die Bauzinsen nicht steigen, Stephan Gawarecki von Dr. Klein hingegen ist der Auffassung, dass die Verzinsung von Staatsanleihen nicht so niedrig bleiben dürfte, weil in Europa das Geld sonst andere Wege ginge – zu höher verzinsten Anleihen aus Italien und Spanien etwa. Mithin könnten auch die Bauzinsen wieder steigen. Für Anleger, die in den nächsten 1 – 2 Jahren bauen möchten, bedeutet das:

  • Baugeld ist historisch günstig, was nicht ewig so bleiben muss
  • Baukredite eher früher als später aufnehmen
  • Anschlussfinanzierungen nach Möglichkeit sehr frühzeitig mit einem Forward-Darlehen absichern
  • lange Zinsbindungsfristen vereinbaren

Auch wer eher vage an ein Bauprojekt in den nächsten zwei Jahren denkt, sollte gegenwärtig einen umfassenden Zinsvergleich anstellen. Informationen sind das A und O bei der Baufinanzierung.

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