Mythos Goldminenaktien: zur Geschichte und heutige Empfehlungen

Wir leben momentan in einer Zeit hoher Goldpreise. Angesichts der nach wie vor schwelenden Wirtschafts- und Finanzkrise und der Unsicherheit um die Stabilität des Geldes und in erster Linie des Euro wird dies vielleicht noch eine Weile so bleiben.

Da Goldpreis und Börsenkurse momentan auf einem hohen Stand einkehren, macht der Mythos der billigen Goldminenaktien wieder die Runde. Auch das – jedenfalls in der Vergangenheit – gewaltige Gewinnpotential solcher Papiere wird in einschlägigen Fachzeitschriften wie auch in Inseraten mehr oder weniger seriöser Anlageberater gebetsmühlenartig wiederholt.

Doch wie immer gilt, nur auf in der Vergangenheit liegende Entwicklungen eines potentiellen Investments sollte man sich nicht verlassen.

Goldminenaktien – ein riskantes Investment

Mythos Goldminenaktien: was steckt dahinter?In der Vergangenheit war es tatsächlich häufig so, dass in einer Hausse Goldminenaktien gegen Ende erheblich stärker zulegen konnten als der eigentliche Goldpreis.

Dies hatte mehrere Gründe: einer davon ist, dass Menschen Gold lieben.

Gold physisch zu besitzen ist für viele attraktiver als ein Zertifikat über Anteile an einer Mine irgendwo in einem fernen Land sein Eigen zu nennen. Daher beginnt eine Goldhausse zunächst mit einer erhöhten Nachfrage nach Münz- oder Barrengold. Einen Goldwert kann man schließlich tatsächlich in der Hand halten und im Zweifel damit auch im Alltag zahlen. Ein Barrenkauf ist problemlos online – ohne Broker oder Bank-Gebühren möglich.

Der Ansturm auf das physische Gold ließ längerfristig denkende Investoren dann rasch an das Minengold denken: noch nicht geförderte Bodenschätze reizten Anleger mit einem langen Atem und in Folge dessen wurden die Minenaktien begehrter.

Steigende Kurse kausal zu steigenden Goldpreisen?

Indes sind in der derzeitigen Goldhausse die Preise für Goldminenaktien noch nicht wirklich angesprungen. Es ist auch keineswegs sicher, dass es dazu in der nächsten Zeit kommen könnte.

Goldmünzen in gestapelter FormDerzeit wird von verschiedenen Seiten argumentiert, die Kurse für Goldminenaktien seien so niedrig als liege der Preis pro Feinunze Gold bei lediglich USD 900,- und nicht wie in der Realität bei USD 1.700,-. Eile sei daher beim Kauf von Goldminenaktien geboten, da es nur noch eine Frage weniger Tage sein könne, bis der Preis für das Minengold regelrecht explodieren müsse.

Allerdings greift diese Argumentation zu kurz, obschon es sicher möglich ist, dass die Papiere einiger Minen stark unterbewertet sind, so dass sich mit viel Fachwissen (oder Glück) sicher gute Geschäfte mit Goldminenaktien machen lassen. Doch auch dieses gilt natürlich letzten Endes für sämtliche Branchen. „Goldnuggets“ sind überall versteckt. Nur ist es einem Privatmann kaum möglich, diese schneller als institutionelle Anleger oder Profis zu entdecken.

Oftmals schwingt bei den Kursen eine Art Mythos Goldminenaktien mit. Entsprechend viel Fantasie steckt in der Preiszusammensetzung. Alle Aspekte zu durchschauen ist für Anfänger und auch Fortgeschrittene nahezu unmögich. Doch auch Profis wissen, dass man beim Kauf von Minenaktien ein extrem hohes Kursrisiko bis hin zum Totalverlust eingeht.

Ein schönes Beispiel ist etwa der Kinross Kursverlauf. Nach einem steilen Aufstieg auf einen Wert von circa 15 Euro, notierte die Aktie zuletzt bei rund 2,50 Euro. Wer hier falsch eingestiegen ist, dürfte einige Verluste eingefahren haben. Prozentual ähnlich dazu der 5-Jahresverlauf von:

  • Barrick Gold (WKN: 870450)
  • Gold Fields (WKN: 856777)
  • Newcrest Mining (WKN: 873365)

Der Handel ist in üblicher Art und Weise möglich.

Fakten zur Goldgewinnung nicht zu vernachlässigen

Der Grund dafür, dass Goldminenaktien derzeit wenig begehrt sind, hat allerdings weniger mit dem Mythos der verspäteten, dann aber um so größeren Kurssteigerung zu tun als mit Fakten aus der Welt der Goldgewinnung:

In den vergangenen Jahren wurde beständig mehr Gold gefördert als neue Goldvorkommen entdeckt wurden. Gold in größeren Mengen mag es noch, derzeit unerreichbar, auf dem Meeresgrund geben, doch die irdischen Vorkommen scheinen weitgehend bekannt zu sein. Als Folge hiervon ist die Förderung in den Minen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer teurer geworden: die einfach zu erreichenden Lagerstätten, welche hohen Gewinn versprechen, sind bereits entsprechend „bearbeitet“ worden.

Goldgewinnung immer schwerer

Wenn heute in Minen Gold gewonnen wird, liegt der Anteil an Gold pro Kubikmeter geräumten Erdreiches bei nicht eimal mehr der Hälfte dessen, was noch vor zwanzig Jahren enthalten war. Diese magere Ausbeute lässt sich zudem nur mit noch höherem Aufwand erzielen.

Härterer oder allgemein schwierigerer Untergrund erfordert andere, teurere Maschinen oder führt zu einem vorzeitigen Verschleiß der vorhandenen Maschinen. Es wird also heute zu erheblich höheren Kosten unter erheblich größeren Aufwendungen erheblich weniger Gold gefördert, so dass noch nicht gefördertes Gold aus einer Mine, welches man letztlich über eine Goldminenaktie erwirbt, für viele wesentlich unattraktiver ist als ein Investment in bereits existierende gegossene Barren aus Feingold.

Da zudem in den meist in Afrika liegenden Fördergebieten, nicht selten in Bürgerkriegsgebieten, immer mehr Militär und privater Schutz zum Schutze der Arbeiter und zur Bewachung der Minen selbst benötigt wird, ist die Förderung von Gold aus einer Goldmine kaum noch rentabel.

Es ist dennoch durchaus möglich, dass Goldminenaktien in der nächsten Zeit zulegen könnten. Ohne eine genaue Kenntnis davon, welche Mine eine Aussicht auf ertragreiches Wirtschaften hat, lässt sich hier aber wohl nur mit viel Glück ein guter Gewinn machen. Genau das macht den Mythos Goldminenaktien aus.

Immerhin sei erwähnt, dass auch die erfolgreichsten Fondsmanager bislang nicht zuverlässig in der Lage waren, mit Goldminenaktien den eigentlichen Goldpreis zu schlagen.

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